In der Welt der psychologischen Forschung gibt es Namen, die sofort
Aufmerksamkeit erregen, wenn man sich näher damit beschäftigt. Der
Psychoanalytiker Otto F. Kernberg ist einer davon. Seine interessanten Erkenntnisse
in die menschliche Psyche können uns dabei unterstützen, die komplexen
Landschaften unserer Emotionen zu verstehen und durch sie hindurch zu steuern.

Besonders interessant ist seine Theorie darüber, wie Angst – ein immer präsentes
Gefühl, das jeden von uns in unterschiedlichem Maße betrifft – bereits in den ersten
zwei Lebensjahren ihren Ursprung finden kann.

Doch was bedeutet das jetzt für uns, und wie können wir diese Erkenntnisse nutzen,
um ein erfüllteres und vielleicht angstfreies Leben zu führen? In diesem Blogartikel
möchte ich die Idee, die Erkenntnisse von Otto F. Kernberg die Welt der
frühkindlichen emotionalen Entwicklung, verständlich erklären.

Was sind die Grundsteine der Angst?

Kernberg legt nahe, dass die Wurzeln unserer tiefsten Ängste in den jüngsten
Jahren unseres Lebens liegen. Die Zeit, in der unsere Welt sich hauptsächlich um die
Beziehung zu unseren primären Bezugspersonen dreht und um das Thema
Emotionen.

Diese Beziehungen sind der Nährboden für unsere emotionale Entwicklung, und ihre
Qualität kann den Grundstein für zukünftige emotionale Zustände legen,
einschließlich Angst.

1. Frühe Beziehungen:

Die Bindung zu unseren Eltern oder Pflegepersonen ist mehr als nur eine Quelle von
Komfort und Nahrung; sie ist der erste Spiegel, durch den wir uns selbst und die Welt
um uns herum sehen. Unsichere oder gestörte Bindungen in dieser kritischen Phase
können zu einer verminderten Fähigkeit führen, Emotionen zu regulieren, was den
Weg für Angstzustände ebnet.

Daher legt seine Arbeit im Bereich der Objektbeziehungstheorie nahe, dass die
entscheidenden Entwicklungsprozesse, die später zu Angst führen können, bereits in
den ersten Lebensjahren – von der Geburt bis zum dritten oder vierten Lebensjahr –
beginnen. In dieser Zeit entwickeln Kinder grundlegende Bindungen zu ihren
Bezugspersonen, und diese Beziehungen haben einen tiefgreifenden Einfluss auf
ihre emotionale Entwicklung.

2. Emotionale Spaltung:

Kernberg führt uns in das Konzept der Spaltung ein, einen Mechanismus, bei dem
positive und negative Erfahrungen getrennt gehalten werden. Diese frühe Form der
emotionalen Verarbeitung soll uns grundsätzlich vor inneren Konflikten schützen.
Doch wenn diese Spaltung bestehen bleibt, kann sie zu einer verzerrten
Wahrnehmung von uns selbst und anderen führen, was Angst und andere
emotionale Störungen zur Folge haben kann.

3. Identitätsentwicklung:

Unsere frühen Jahre sind entscheidend für die Bildung unseres Selbstbildes.
Negative Erfahrungen während dieser formbaren Zeit können unser Selbstwertgefühl
untergraben und zu einer anhaltenden Angst vor Zurückweisung und Misserfolg
führen.

4. Regulierung von Nähe und Distanz:

Die Fähigkeit, Intimität zu tolerieren und gleichzeitig Unabhängigkeit zu bewahren, ist
ein Tanz, der in der Kindheit beginnt. Fehlschläge in diesem Bereich können zu einer
lebenslangen Angst vor Verlust oder Verlassenwerden führen.

5. Die Auswirkungen verstehen

Die Erkenntnisse und Theorien Kernbergs bieten nicht nur Einblicke in die Ursprünge
unserer Ängste, sondern auch positive Ausblicke. Sie betonen die Bedeutung der
frühen Jahre für die emotionale Entwicklung und unterstreichen die Notwendigkeit,
unterstützende und sichere Umgebungen für Kinder zu schaffen.
Was heißt es jetzt für Erwachsene, die bereits mit den Schatten ihrer kindlichen
Ängste leben? Wie können diese Erkenntnisse dazu beitragen Ängste in der
Gegenwart zu überwinden?

6. Der Weg in die richtige Richtung

Die gute Nachricht ist, dass das Verständnis der Wurzeln unserer Angst der erste
Schritt zur Überwindung ist. Ansätze, die auf Kernbergs Theorien basieren, können
uns helfen, die Spaltung zu überwinden, indem sie uns beibringen, unsere
Emotionen zu integrieren und ein einheitliches, widerspruchsloses Selbstbild zu
entwickeln. Sie können uns auch dabei unterstützen, unsere Beziehungsmuster zu
verstehen und zu verbessern, was zu sichereren und erfüllenderen Beziehungen
führt.

7. Die Rolle der Gemeinschaft

Es ist auch wichtig zu erkennen, dass die Überwindung von Angst und anderen
negativen Emotionen, nicht isoliert erfolgt. Die Unterstützung durch eine
Gemeinschaft – sei es durch Freunde, Familie oder andere Gruppen – kann einen
unschätzbaren Beitrag zur Überwindung von Angst leisten. Diese Gruppen bieten
nicht nur emotionale Unterstützung, sondern auch Modelle für gesunde Beziehungen
und emotionale Regulierung.

Abschließende Gedanken

Kernbergs Einblicke in die Entstehung von Angst in den ersten Lebensjahren laden
uns ein, die Bedeutung unserer frühesten Beziehungen und Erfahrungen zu
reflektieren. Sie erinnern uns daran, dass die Samen, die in der Kindheit gesät
werden, das Wachstum unseres emotionalen Lebens im Erwachsenenalter
beeinflussen. Doch mit Verständnis, Unterstützung und gegebenenfalls externer
Hilfe, wenn notwendig, ist es möglich, die Ketten der Angst zu durchbrechen und ein
freieres, erfüllteres Leben zu führen.

Seine Einblicke bieten eine tiefgreifende Perspektive auf die Wurzeln unserer
Ängste, unterstreichen die Bedeutung unserer ersten Lebensjahre und ermutigen zur
Auseinandersetzung mit diesen Prägungen. Seine Forschung ist eine Erinnerung
daran, wie frühkindliche Erfahrungen unser emotionales Wachstum formen können,
und ein Aufruf, mit Mut und der richtigen Unterstützung diese frühen Prägungen zu
überwinden. Er zeigt einen Weg auf, wie wir trotz unserer Vergangenheit ein freies
und erfülltes Leben führen können.